Manfred
Bredohl, Aachen
Öffentlichkeitsarbeit - Chancen für Metallgestalter
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste? Geht es Ihnen gut?
Geht es uns gut? Geht es unserem Handwerk gut? Gibt es uns noch?
Den Schmied, den Kunsthandwerker oder gibt es nur noch den Künstler,
den Designer oder den Schauspieler, den Exoten, den Scharlatan?
Es
gibt uns noch, wir sind ja hier beim "IV. Weltkongress der Kunstschmiede".
Aber es geht uns schlecht. Zwar auf höchstem Niveau, aber es geht
uns nicht gut, unserem Handwerk geht es nicht gut. Auf Rosen gebettet
war das Handwerk nie, aber es hatte goldenen Boden, so der Handwerker
fleißig, kreativ und Teil unserer Kultur war. Die Flexibilität
des Handwerks war unsere Stärke, unser Können Markenzeichen, die
Tradition Teil der Handwerkskultur. Der Markt für unsere Produkte
wurde getragen vom Zeitgeist und einer Lust auf Solidarität, auf
ausgefallene Ideen, so die auf solidem handwerklichen Können basierten
hatten Chancen, wurden immer mehr akzeptiert, nicht nur von den
Kunden, nein auch von den eigenen Reihen getragen und von Vielen
umgesetzt. Die Architekten kamen mit, oder sage ich besser durch
die Kunden in unsere Werkstätten, Ateliers, Bruchbuden oder Firmen.
Wie ist es heute? Analyse! Wir haben aufgehört, uns in die Tasche
zu lügen! Nicht alle, aber viele Kollegen haben erkannt, dass
der Markt weg bricht oder schon gebrochen ist. "Krumm und schwarz"
das war schon immer ein Begriff für Schmiedeeisen, aber nun heißt
es "krumm und billig". Aus Billiglohnländern von geschäftstüchtigen
sogenannten Kaufleuten gemanagement, drängen immer mehr Pseudo-Schmiedearbeiten
auf die Märkte. Preislich konkurrenzlos, aber qualitativ indiskutabel.
Jupi-Architekten" mit verheerender Funktionsarchitektur. Billig
- praktisch - unverwüstlich. Die handwerkliche Leistung, beschränkt
auf korrektes Aufmessen, sauberes Bohren und die Nutzung moderner
Technik, Lasern, Kanten, Schleifen, Polieren.
"Mit Leben erfüllt, Erlebt!" Ein Spiegel des Schaffenden, eine
Handschrift haben diese Dinge nicht, sowohl "krumm und billig"
als auch "kalt und leblos" sind schlimme Entwicklungen, die hoffentlich
aufgesetzten "Weves" (Wellen) oder nur "Fashen" (Mode) sind und
nicht dem wahren Lebenswert und Sehnsüchten der heutigen Generation
entspringen. Ich hoffe es! Was ist zu tun? Was kann man tun?
1. Falsch
Schimpfen, verzweifeln, aufgeben! Mitschwimmen, versuchen mitzuhalten,
preislich und folglich auch qualitativ mit den Billiganbietern.
Keine Chance für unsere Werkstätten. Unser Kapital, die Phantasie,
die Fähigkeit, Metall in glühendem Zustand zu formen. Der Arbeit
Seele und Esprit einzugeben, verkümmern. Von Scharlatanen inszenierte
Symposien und Workshops oder schlechte Management oder Publikationen,
Kurse auf VHS-Niveau auch zum Teil von Fachverbänden und Kammern
angeboten, bringen nur den Referenten und den Anbietern Gewinne!
Aber auch Vorträge sogenannter "Hochschul-Koryphäen" mit akademischem
Dünkel bringen uns und unser Handwerk nicht weiter. Zugegeben,
nicht alles ist schlecht, aber Wirtschaftsberater, Existenzgründungsberater,
Ökoberater, Unfallberater, Versicherungsberater, Schweißtechnischer
Berater, ja Stahlberater sind ein lukrativer Markt für die Berater
und ein Schamtüchlein für die Verantwortlichen, oder der untaugliche
Versuch, Versäumtes nachzubessern.
Ich will nun nicht falsch verstanden werden, so dass ich alle
Bemühungen, unser Handwerk, unsere Gewerke zu helfen, in Bausch
und bogen verdamme. Gute Ansätze sind zweifellos da, aber es ist
das stete Bohren dickster Bretter die wahren Probleme offenzulegen
und Fehlentwicklungen aufzuhalten oder gar zurückzudrehen. Aber
was können wir tun, könnten wir tun, wollen wir tun, tun wir schon?
Werben wir für Handwerk, so werben wir für uns oder umgekehrt.
Als Einzelkämpfer oder in der Gemeinschaft! Im Verband, in der
Arbeitsgemeinschaft, in der Interessengemeinschaft. Im Bereich
Handwerk, Kultur und Kunst. In den Medien, in unseren Städten,
Schulen, Banken, Versicherungen, bitte nicht in Kneipen. Nutzen
wir die Möglichkeit der Kammern, Innungen, der Verbände, die uns
auch freundlich angeboten werden. Aber lassen wir uns nicht missbrauchen
als billiger Werbegag, als Lückenfüller oder pausen-Clown. Sind
wir uns unseres Wertes bewusst? Ohne uns Kunsthandwerker beschränkt
sich der Reputationsmöglichkeiten der Institutionen auf Werbetafeln,
Tische mit Prospekten und "Sakko mit Schlips Akrobaten", die gelangweilt
neben dem üblichen Equipment stehen und nichts zu sagen haben.
In der Not rückt man zusammen, sucht Hilfe und Verständnis. Das
alles finden wir mehr noch in der Liebe zu unserem Beruf als in
den Organisationen. Die beste Hilfe, Förderung und Erfüllung finden
wir in unserer Arbeit. Jedoch hierfür brauchen wir Aufträge, zu
kostspielig ist der Unterhalt einer eigenen Werkstatt. Als "ohne
Moos nichts los" salopp formuliert, aber der Kern der Dinge. Nun
wäre es vermessen, ein Idealrezept zu präsentieren, zu unterschiedlich
sind unsere Werkstätten gelagert, zu unterschiedlich unser Kundenklientel.
Dennoch gibt es grundsätzlich Ratschläge Werbung für sich und
unseren Beruf zu inszenieren, zu zelebrieren!
Die Presse ist eine Diva, die poussiert sein will.. Keine käufliche
Dame, nein Journalisten sind auch Kopf und Handwerk mit Stimmungen,
Gefühlen mit Sympathien und Antipathien, meist sie älter und sachkundiger
sind gewillt eine ordentliche Arbeit, sprich Artikel, abzuliefern.
Das betrifft auch die Fotografen. Doch fehlt den meisten leider
diese Sachkunde. Alle müssen wir versuchen zu helfen, zu vermitteln
was uns für unser Handwerk am Herzen liegt, was richtig, was wichtig
ist, was uns unterscheidet von den Kunstgewerblern.
Wer Werbeung betreiben will, muss "marktorientiert" denken und
auch handeln. Ich spreche von "Marketinbg" beinhaltet intensives
Bemühen um den Kunden, sprich: Eingehen auf seine Wünsche und
Bedürfnisse, Suchen nach Sehnsüchten und Gefühlen. Die moderne
Werkstatt betreibt über ihr Erscheinungsbild mit Hilfe der Presse
Öffentlichkeitsarbeit. "Ansehen kommt von Aussehen" schon hier
wird vom Kunden auf die handwerkliche Leistung geschlossen. In
zotteliger Aufmachung, mit Hörnern und Schwert oder Axt wird man
schnell für einen Wikinger, nicht aber für einen zeitgemäß gestaltenden
Handwerker gehalten, sondern in die Schublade Kunstgewerbler,
Exote, Alleinunterhalter gesteckt, wo unser Handwerk bestimmt
nicht hingehört. Als Unternehmer haben wir so keine Chance, der
Kunde gibt dem Zottelbär Almosen, er bestimmt die Preise, nicht
wir.
Ähnliches gilt für das Auftreten in der Öffentlichkeit mit unseren
Arbeiten und unserer Werbung. Im Inhalt oder in der Aufmachung
häufig wechselnde Aussagen, Angebote, Engagements veranlassen
eher zum Kauf als das immer wieder Aufbügeln alter Hüte. Die moderne
Werkstatt kritisiert sich auch selber und ist zur Einsicht fähig
und somit immer für neue Ideen offen. Die Schmiedewerkstatt wird
heute als "Dienstleistungsunternehmen" gesehen und Dienstleistungen
verkaufen sich nun mal nicht von selber. Das "Marketing" von heute
verlangt ein breites ansprechendes Angebot an Werbematerial. In
Aufmachung und Stil leicht verständlich und immer griffbereit.
Hier ist nicht der große Umfang und bis ins letzte Detail ausgekaute
Vortrag gewünscht, sondern ein handliches kurzes Statement zur
eigenen Arbeit. Die beste Werbung sind fertige Produkte oder Fotos,
Dias, Videos, die in ansprechender Form präsentiert werden, nicht
in speckigen Hüllen oder Schuhkartons mit Eselsohren. Auch Polaroids
sind meistens nicht geeignet, einen Eindruck von unseren Arbeiten
zu vermitteln.
Wirksame und kostengünstige Werbung
Keine Werkstatt kann heute auf "Marketing" verzichten. Werbemittel
unterstützen das Bestreben, sich von anderen Werkstätten abzuheben.
Besonders wollen wir uns abheben von Kunstgewerbe und unredlichen
Mitbewerbern. Grundvoraussetzung für den Erfolg ist hier Phantasie,
Ideen und auch Finanzen. Das Verteilen von Zetteln und Werbebriefen
ist out. Viele Briefkästen verbieten sich den Einwurf. Kontinuierliches
gezieltes von Hand verteilen direkt an Interessenten, also im
Betrieb beim ersten Besuchskontakt oder auf Messen, auf Märkten
und bei sonstigen öffentlichen Auftritten verspricht hier mehr
Erfolg. Sauber und ordentlicher Druck sowie Aufmachung mit persönlichen,
sprich werbespezifischen Inhalten und Outfit sind hier mit entscheidend.
Informationen sollten kurz und knapp gehalten werden. In unserer
individuellen Zeit sind Bilder wichtig. Die Zielgruppe sollte
nicht aus dem Auge verloren werden. Die Zielgruppe ist und bleiben
die Kunden. Plakate haben heute nur noch zu Wahlkampfzeiten einen
beschränkten Sinn. Zur Kundenwerbung sind sie nicht geeignet.
Aufkleber auf Fahrzeugen haben einen Dauerwerbeeffekt. Sie sind
variabel einsetzbar und penetrant haftend. Sie freuen sich großer
Beliebtheit, nicht zuletzt bei Kindern und Jugendlichen, den Kunden
von Morgen. Ein attraktives Emblem und eingriffiger Slogan sind
wichtig. Es muss plakativ und schnell erfassbar sein. Zuviel Text
und eine komplizierte Symbolik erschweren meist die mögliche Verkleinerung
und so die erweiterte Nutzung.